Erfahrungsbericht: Clickworker (Teil I)

Eigene Erfahrung?

Clickworker wurde 2005 gegründet und gehört der bitworxx GmbH mit Sitz in Ratingen. Das Unternehmen stellt eines der größten und ältesten – wenn nicht sogar das größte und älteste – Crowdworkingunternehmen in Deutschland dar und offeriert Mikrojobs aller Arten. Grund genug, einmal genauer hinzusehen.

Gesamtverdienst: 638,90 € (6 Jahre und 1 Monat Mitgliedschaft)

Verdienst pro Jahr: 105 € (Durchschnitt)

Verdienst pro Stunde: sehr variabel 

Anmeldung und Qualifizierungen

Die Registrierung ist einfach und geht schnell, danach kannst du ein Profil bei Clickworker anlegen. Sodann kannst du dich an die Qualifizierungen machen, die in „Basis-Qualifizierungen“ und „Projekt-Qualifizierungen“ eingeteilt werden. Erstere umfassen normalerweise Sprachtests, letztere alles mögliche – allerdings werden diese nur sehr selten angeboten und sind daher eher zu vernachlässigen. Der Schwierigkeitsgrad ist unterschiedlich, beispielsweise erschien mir der „Einstufungstest Deutsch“ einfach, während ich die „Qualifizierung Korrektorat Deutsch“ schwer fand – obwohl ich nun bereits mehrere Jahre als Texter tätig bin.

Aufträge bei Clickworker

Die bei Clickworker angebotenen Aufträge sind sehr unterschiedlich. Das Spektrum reicht von kleinen Umfragen über Ideenfindung, Kategorisierungen, Bewertungen bis hin zur Texterstellung. Obwohl ich sonst überwiegend als Texter arbeite, habe ich diese Aufträge nur wenige Male zu Anfang meiner Mitgliedszeit bearbeitet. Denn es handelt sich fast ausschließlich um SEO-Aufträge aus dem Bereich Kategorie- und Produktbeschreibungen, die für mich als Fachtexter wenig Sinn machen.

Auch die übrigen Bedingungen sind eher ungeeignet: Die Briefings werden nicht für einen, sondern für unzählige Aufträge gemacht und sind dementsprechend allgemein. Es gibt keine Möglichkeit zur Rückfrage an den Auftraggeber und keine Bewertung des Auftraggebers, die für die Mitglieder einsehbar ist. Die Bearbeitungszeiten sind zu kurz und setzen voraus, die ganze Zeit im System online zu sein. Die Bezahlung liegt im (unteren) Mittelfeld, allerdings gibt es keine Möglichkeit, über Arbeitsleistung oder Direktvergabe von Aufträgen aufzusteigen oder mehr zu verdienen. Kurz: Die Texterjobs sind nur unter sehr speziellen Bedingungen geeignet. Neben „normalen“ Aufträgen finden sich leider auch immer wieder Aufträge, die nicht sind, was sie vorgeben. Aufträgen dieser Art – was dahinter steckt und wie du sie erkennst – widme ich in Kürze einen eigenen Beitrag, denn diese erscheinen nicht nur bei Clickworker.

Vergütung bei Clickworker

Die Vergütung auf Clickworker ist – ohne darum herum zu reden – zumeist beklagenswert. Obwohl damit geworben wird, dass eingearbeitete Clickworker bis zu 10 Euro pro Stunde verdienen können, liegt der Durchschnitt de facto bei irgendwo um 3 Euro. Zum Vergleich: Der aktuelle Mindestlohn in Deutschland ist mehr als drei Mal so hoch. Und selbst der bedeutet Altersarmut.

Am lukrativsten sind zumeist die mittleren Aufträge mit einer Preisspanne von 50 Cent bis 2 Euro. Von Aufträgen mit 5 oder 10 Cent Vergütung kann ich hingegen nur abraten: Selbst wenn geübte Clickworker diese im Akkord innerhalb von 1-2 Minuten erledigen, lassen sich hiermit nicht einmal 6 Euro pro Stunde erreichen. Und dabei sind Toilettenpausen und Ladezeiten noch nicht einmal eingerechnet. Außerdem handelt es sich um extrem eintönige Aufgaben, die mit wenigen, immer gleichen Klicks zu erledigen sind. Klingt im ersten Moment nett und einfach, macht dich aber nach einiger Zeit ernsthaft debil. Textaufträge erscheinen im ersten Moment lukrativer, allerdings handelt es sich hier auch nur um 1,5-2,5 Cent pro Wort – umgerechnet kommt ein geübter Texter so auf 4,5 – 10 € pro Stunde. Da es jedoch keine Direktaufträge und keine Aufstiegsmöglichkeiten gibt, stagnierst du auf immer bei diesem Honorar, daher kann ich Textaufträge hier nicht empfehlen.

Ausgezahlt wird bei Erreichen der 10-Euro-Grenze automatisch – theoretisch am Monatsersten, praktisch nie vor dem 7. und meistens später.

Tipp

Vor allem zu Beginn solltest du bei jedem Job einmal kurz den Stundenlohn ausrechnen. Und zwar anhand der Zeit, die du tatsächlich benötigst, inklusive Pausen etc., nicht anhand der angegebenen Zeit. Das ist nervig und mühsam, aber du bekommst ein Gefühl für die Bezahlung und kannst besser entscheiden, welche Aufträge du annehmen solltest – und welche nicht.

Der zweite Teil meines Clickworker-Erfahrungsberichts mit den Themen „Vergütung“ und „Ärgernisse“ sowie Vor- und Nachteile auf einen Blick folgt nächste Woche! (*klick*)

 

Meine Wertung:      

 

Links zum Weiterlesen:

https://www.zeit.de/2016/18/crowdworking-freelancer-digital-arbeitsmarkt/komplettansicht