Erfahrungsbericht Clickworker (Teil II)

Teil zwei des Erfahrungsberichts über Clickworker. Hier geht es zu Teil eins *klick*

Ärgernisse

Die Vergütung bleibt das Problem Nummer eins. Häufig argumentieren Verfasser positiver Berichte und bisweilen sogar Clickworker selbst damit, „das Clickworken nicht als vollwertigen Job zu betrachten“. Dabei handelt es sich um ein Scheinargument: Für ein angemessenes Honorar spielt es schließlich keine Rolle, ob eine Arbeit 1 oder 60 Stunden in der Woche ausgeübt wird – das gilt selbstverständlich auch für den Mindestlohn. Soziale Absicherung ist ebenfalls keine Frage der Stundenzahl. Da anbieterseitig natürlich kein Interesse daran besteht drei bis fünf Mal so viel zu bezahlen wie derzeit, wäre hier ein gesetzlicher Rahmen dringend notwendig. Der „Dialog Arbeit 4.0“ von Frau Nahles aus dem Jahr 2016 sieht allerdings keinerlei Verpflichtungen vor und hat – wenig überraschend – bislang auch keine positiven Auswirkungen auf die realen Arbeitsverhältnisse.

Die Fehlerquote bei Clickworker ist teilweise beklagenswert hoch. Aufträge, die nicht funktionieren, Aufträge, die in hundertfacher Ausführung die Liste verstopfen (ein Problem, das der Support leider nicht angehen möchte), Umfragen, die mittendrin einen Screenout anzeigen oder gleich ein Down der ganzen Seite – die Auswahl ist vielfältig. Tatsächlich komme ich erfahrungsgemäß kaum eine oder zwei Wochen ohne mindestens eines der genannten Probleme aus.

Der Support ist zwar schnell und freundlich – leider musste ich jedoch die Erfahrung machen, dass mehr auf Vertrösten als auf Problemlösung gesetzt wird. Bei der Anzahl der Fehler hat es sich zudem als wenig zielführend erwiesen ständig nachzuhaken. Dazu sind im Nachhinein stornierte Zahlungen oft nicht nachvollziehbar und eine Information hierzu findet gar nicht erst statt.

Die Auszahlung funktioniert zwar, verläuft teilweise jedoch extrem verzögert. Grund ist die lange Zeit, die einigen Auftraggebern zur Annahme der Aufträge gewährt wird: Ganze 21 Tage. Zusätzlich werden die Summen offiziell immer erst am 7. des Folgemonats ausgezahlt, woraus in der Praxis jedoch zumeist der 9.-11. wird. Angeblich, um alle Vergütungen des letzten Monats auszahlen zu können – was aufgrund des ersten Punkts jedoch leider Unsinn ist. Zusammengefasst habe ich teilweise mehr als acht Wochen nach Erledigung eines Auftrags gewartet, bis die Vergütung sich tatsächlich auf meinem Konto befand. Das ist eindeutig zu viel.

Viele Aufträge sind langweilig, um nicht zu sagen stumpfsinnig. Die angegebenen Zeitspannen sind oft zu kurz, die Vergütung deshalb automatisch noch schlechter. Die Zeiträume für Textaufträge sind ebenso unzureichend. Aufträge können zwar ausgeblendet werden – Auftraggeber aber nicht. Wenn derselbe Auftraggeber also tagtäglich 100 Aufträge einstellt, die dich nicht interessieren, musst du dich trotzdem tagtäglich mit dem Ausblenden herumschlagen. Zusätzlich gibt es Aufträge, die sich in ethischen Randzonen bewegen.

Vorteile von Clickworker auf einen Blick

  • flexible Auftragsbearbeitung
  • Auftragsvielfalt, viele davon auch ohne Vorkenntnisse möglich
  • zuverlässige Auszahlung
  • Aufträge, mit denen sich kurze Zeiten, beispielsweise Busfahren, nutzen lassen

Nachteile von Clickworker auf einen Blick

  • menschenunwürdige Bezahlung
  • keine soziale Sicherheit
  • häufige Fehlermeldungen
  • kein zuverlässiges Auftragsvolumen, lange Leerzeiten ohne Aufträge
  • unzureichende Bedingungen für Textaufträge
  • wenig Interesse an Problemlösung
  • langweilige Aufträge
  • stark verzögerte Auszahlungen
  • keine Möglichkeit, Auftraggeber zu bewerten
  • Aufträge mit biometrischen Daten: Sprach- und Webcamaufnahmen – hohe Unsicherheit durch die Möglichkeit des Datenmissbrauchs (siehe auch *klick*)

Fazit

Zurzeit ist Clickworker keine gute Alternative für Onlinearbeit, denn das Arbeitsmodell basiert leider auf dem extremen Machtungleichgewicht zwischen Plattform / Auftraggebern und Freelancern und der daraus resultierenden Minimalbezahlung. Wenn du dort Aufträge erledigen willst, solltest du sehr gut darauf achten welche du übernimmst und wie der Stundenlohn am Ende aussieht. Empfehlenswert bestenfalls als „Lückenbüßer“ für Leerzeiten, in denen du wirklich nichts anderes tun kannst.

Meine Wertung:     

 

Zum Weiterlesen:

https://www.ndr.de/ratgeber/Clickworker-Digitale-Tageloehner-in-Deutschland,clickworker100.html

https://www.vice.com/de/article/aekpag/Billige-Clickarbeit-und-das-digitale-Lumpenproletariat-919

https://taz.de/Prekaere-Taetigkeit-der-Clickworker/!5518646/