Erfahrungsbericht: Crowdguru

Eigene Erfahrung? (√) *

Bei Crowdguru handelt es sich um eine Crowdworking-Plattform, die Jobs unterschiedlicher Art anbietet, angefangen von Rechercheaufgaben bis hin zu längeren Texten – eine klassische „Micojobs“-Plattform. Sie existiert seit 2007 mit Sitz in Berlin und ähnelt Clickworker. Wie seriös ist das Unternehmen? Bietet es seinen Online-Arbeitern faire Verdienste?

* Ich hab’s versucht!

Anmeldung bei Crowdguru

Die Anmeldung ist auf den ersten Blick einfach und läuft nach dem gewohnten Schema ab. Die Mail enthält einen Nutzernamen und ein Kennwort, dann lege ich selbst Nutzernamen und Kennwort fest und lösche die Mail. Am nächsten Tag möchte ich mich umsehen und das Problem beginnt: Skurrilerweise finde ich auf der Seite einfach keinen Login. Ich suche lange, komme mir ebenso lange dämlich vor und kontaktiere den Support. Der schreibt, es gäbe eine eigene Login-Seite, die solle ich eben speichern. Und ich müsse bei jedem Login sowohl die vorgegebenen Benutzernamen + Passwort als auch – in einem zweiten Fenster – meinen eigenen Datensatz angeben. Zur Sicherheit und so. Ich komme mir veräppelt vor, will aber nicht so schnell aufgeben.

Qualifikation I

Zu meiner Überraschung enthält die Jobliste ausschließlich „Qualifikationen“, unbezahlte „Anreicherung“ und „Übungsjobs“ – zum Geldverdienen ist hier nichts dabei. Dass man sich für einige Jobs erst qualifizieren muss, kenne ich, aber alle? Nun, das muss ja eine hochwertige Angelegenheit sein! Die – bis beinahe zur Unkenntlichkeit „ausgegraute“ –  Jobliste ist allerdings recht kurz. Naja, es ist Sonntag. Da ich bereits einige Jahre als Texter arbeite, mache ich mich frohgemut an die Qualifikation für Textjobs. Ein Probetext mit 150 Wörtern und zwei Zwischenüberschriften soll her, soweit kein Problem. Falsch gedacht.

Ich kann den Text nicht einfach eingeben. Nein, es müssen jede Zwischenüberschrift und jeder Absatz einzeln in je ein Feld eingetippt werden – mühsam. Darunter noch einige schnell zu erledigende Multiple-Choice-Fragen. Nach zwanzig Minuten schicke ich das Ergebnis ab.

Nichts passiert. Alle Textfelder sind gelb umrandet, warum, steht nicht dabei. Nach einer Weile sehe ich, dass es einen Plagiat-Test-Button gibt. Das händisch zu erledigen ist mir neu, bei anderen Anbietern geht das automatisch, aber was soll’s. Also anklicken, abwarten, abschicken. Erneut sind alle Textfelder gelb umrandet. Mir fällt allerdings auf, dass der Wortzähler (pro Textfeld!) völlig abstrakte Zahlen zeigt – viel zu hoch. Testweise kürze ich den Text. Erst als nur noch je ein Satz pro Feld übrig ist, gibt die Anzeige die gewünschten 150 Wörter wieder. Abschicken. Erneut alles gelb umrandet.

Mittlerweile ist beinahe eine Stunde vergangen – in der ich nichts verdient habe. Testweise nutze ich den „Duden-Check“-Button in einem der Felder. Beim nächsten Abschicken ist dieses nicht umrandet. Aha. Also nutze ich noch einmal für jedes (!) Feld den Button. Nicht, dass ich nicht selbst ein entsprechendes Programm hätte … Trotzdem funktioniert das Abschicken nicht. Noch einmal Plagiatsprüfung. Abschicken. Nun ist eine MC-Frage gelb umrandet, plötzlich fehlt der Haken. Ich hake sie wieder an. Abschicken. Plagiatsprüfung! Was? Also noch einmal. Der Haken ist wieder verschwunden. Ich setze ihn neu, überprüfe denselben Text zum … Mal. Abschicken. Es funktioniert. Zwei Tage später erhalte ich die Mail, dass ich den Test nicht bestanden habe, weil der Text zu kurz sei. (Nachdem ich ihn ein halbes Dutzend mal kürzen musste, weil die Zeichenzählung nicht funktionierte …)

Qualifikation II

Schwer entnervt melde ich mich erneut beim Crowdguru-Support, diesmal mit dem Qualifikationen-Debakel. Der ist auch diesmal schnell, leider aber auch der Ansicht, dass das alles an meinen (bislang bei allen Plattformen völlig unauffälligen) Browserkonfigurationen gelegen haben müsse. Dass das ganze Prozedere maximal umständlich ist, bleibt unerwähnt. Nebenbei stelle ich fest, dass die Anzahl der Jobs auch nicht gestiegen ist. Erledigen kann ich davon ohnehin nach wie vor keinen einzigen. Anhand der Erläuterung des Supports wird klar, dass für die Qualifikationen nicht eigens Formulare definiert wurden, sondern einfach normale Auftragsformulare verwendet werden – dementsprechend gut klappt das. Das bedeutet aber auch, dass jede einzelne Texteingabe so durchwachsen funktionieren wird wie die Eingangsqualifikation. Bevor ich mir das weiter antue, möchte ich erst einmal herausfinden, ob und wie viele Jobs hier zu erledigen sind und was sie einbringen.

Fazit zu Crowdguru

Bei zehn Besuchen habe ich nie mehr als elf Aufträge in der Jobliste gesehen, davon grundsätzlich mehr als die Hälfte bereits auf „0“ stehend. Bei den Textaufträgen handelt es sich ausschließlich um „Massenware“, ohne individuelles Briefing oder Fachkenntnisse – nichts für mich. Die Bezahlung für Textaufträge liegt meist rund um 2 Cent, ist also bestenfalls durchschnittlich, eine Qualifikation in höhere Vergütungsstufen ist nicht möglich. Die übrigen Microjobs sind schlechter bezahlt. Das bedeutet auch, dass die höchstmögliche Vergütung sich bei etwa 6 € pro Stunde bewegen dürfte. Kein einziger Job wurde bei meinen Besuchen ohne mühselige und unbezahlte Qualifikation angeboten. Die Kommunikation verlief zwar schnell, aber es war keinerlei Bereitschaft zur Verbesserung der Bedingungen für die Jobber zu erkennen. In der Gesamtmenge für mich eindeutig kein guter Anbieter, selbst unter den ohnehin schon problematischen Microjob-Portalen.

 

 Meine Wertung:    Bewertung Sehr schlecht 

 

Links zum Weiterlesen:

https://www.crowdguru.de/

https://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft/crowd-guru–clickworker—co–das-app-proletariat-1212878