Erfahrungsbericht: Workgenius (Teil II)

Hier folgt der zweite Teil meines Erfahrungsberichts zum Crowdworking-Portal Workgenius.

Erster Teil: *klick*

Vergütung

Die Vergütung ist abhängig vom Auftrag und sehr unterschiedlich. Für die drei sogenannten Umfragen habe ich je sieben Euro bekommen, was gemessen an Umfragen recht gut ist. Die benötigte Zeit entsprach etwa den angegebenen 30 Minuten.

Die Textaufträge bewegen sich, bei den Aufträgen, die ich durchgerechnet habe, zwischen 2,9 und 8 Cent pro Wort. Das ist, im Vergleich zu anderen Textportalen, ein ziemlich guter Preis, an der Stelle habe ich nichts zu beanstanden. Problematisch ist hingegen, dass das auch das Ende der Fahnenstange ist, weil es keine Möglichkeit gibt, Direct-Order-Preise anzugeben. Zugegebenermaßen liegen diese normalerweise eher unter 8 Cent – allerdings über 2,9.

Die Probleme begannen jedoch, als ich mir meine 20,89 € auch auszahlen lassen wollte. Hier kommt ein grundsätzliches Problem von Workgenius zum Tragen: Alles anders machen als andere. Leider haben „Andere“ durchaus Erfahrung und Gründe. Anstatt also – wie so ziemlich jeder seriöse Anbieter zwischen Ebay und Clickworker – einfach meine Kontodaten einzugeben, die dann verschlüsselt verschickt oder gespeichert werden, muss es hier eine Extrawurst sein. Die Extrawurst heißt Hyperwallet und hier muss erst ein Account angelegt werden, bevor du deine Daten eingeben darfst – also im Grunde dasselbe wie überall sonst, bloß komplizierter. Denn Hyperwallet verlangt zusätzlich eine Identitätsprüfung. Und es gibt eine weitere Besonderheit: Für die Überweisung darfst du hier 1 € von deinem sauer verdienten Geld blechen. Ein absolutes No-Go.

Besonderheiten bei Workgenius

Die meisten Besonderheiten sind bereits unter den anderen Reitern zu finden, da sie mit ihnen zusammenhängen. Zwei Dinge sind noch zu vermerken: Machst du bei den Aufträgen zweimal einen Fehler (Texte nicht unique beispielsweise, auch versehentlich, Nicht-Annahme vom Kunden etc.) erwartet dich eine sechsmonatige Auftragssperre zur Strafe. Eine Form der Mitgliederorganisation oder anderer Strukturen, die das Machtverhältnis zwischen Plattform und Arbeitern etwas ausgeglichener gestaltet, existiert selbstverständlich nicht, auch kein Forum.

Abgesehen davon fällt Workgenius vor allem durch einen geradezu schmerzhaften Gebrauch von Denglisch auf – vielleicht auch ein Teil des besonders „trendigen“ Auftretens …

Fazit

Ich kann Workgenius eindeutig nicht empfehlen. Das gesamte Konzept der Plattform wirkt in gewissem Sinne unbelehrbar denn offensichtlich war der Plan, möglichst viel anders zu machen – was sich nicht positiv ausgewirkt hat. Obwohl die Bezahlung an anderen Anbietern gemessen leicht überdurchschnittlich ist, wirken sich andere Faktoren zu schwerwiegend aus, um eine Mitgliedschaft empfehlenswert zu machen. Dazu zählen insbesondere die unprofessionellen Briefings, das gefühlte Desinteresse an den Arbeitern, die Unterbindung des Kundenkontakts, kaum Auswahl bei den Aufträgen, kein individuelles Arbeitsprofil, viel zu kurze Bearbeitungszeiten, fragwürdige Aufträge und die Unmöglichkeit, für die Überweisung des eigenen Arbeitslohns bezahlen zu müssen.

Meine Wertung:     Bewertung Sehr schlecht

 

Zum Weiterlesen:

https://taz.de/Prekaere-Taetigkeit-der-Clickworker/!5518646/