Homeoffice – Schlechte Erfahrung (Teil II)

So ging es bei mir nach dem Anwerbeversuch durch ein Scheinunternehmen als “Finanzagent” in Homeoffice weiter (Teil I hier: *klick*):

Die Polizei

In meinem persönlichen Fall bin ich nach Durchsicht des Vertrags misstrauisch geworden und habe recherchiert. Dann habe ich mich via Onlineservice an die Polizei gewendet und den Vorgang geschildert. Die Antwort war ernüchternd. Ja, man kenne das. Ja, ich hätte mich dann strafbar gemacht. Und das würde die Polizei dann auch verfolgen, da gäbe es keine Gnade. Aber das Anwerben selbst wäre ja leider keine Straftat, daher könne man nichts unternehmen. Ich könne aber trotzdem Strafanzeige stellen (wegen welchem Bestand auch immer – nachdem ja nichts Strafbares passiert ist -.-). Das Desinteresse troff nur so aus den Zeilen.

Ich schickte alle Informationen mit, samt Screenshots, Mails, Vertrag, der Kleinanzeige mit dem vorgeblichen Homeoffice-Job und der Homepageadresse – wobei danach gar nicht erst gefragt wurde. Und erkundigte mich höflich, warum man nicht zum Schein darauf einging – mithilfe von Handynummer und Bankdaten sollte es wohl möglich sein, die Betrüger zu identifizieren, oder? Immerhin muss mittlerweile jede noch so unbescholtene Person bei jeder Kontoeröffnung und sogar dem Erwerb einer Prepaidkarte fürs Handy ein Postident- oder Video-Ident-Verfahren durchlaufen. Da sollte man doch meinen, dass eine Identifizierung tatsächlicher Krimineller bei so viel Überwachungsstaat gar kein Problem darstellt … (nein, das habe ich selbstverständlich nicht geschrieben).

Eine Antwort bekam ich gar nicht erst, dafür nach einigen Monaten ein Standardschreiben, das Ermittlungsverfahren sei ergebnislos eingestellt worden. Die Internetseite zu dem vermeintlichen Unternehmen, das mich anwerben wollte, gibt es dafür heute noch (siehe Beispiel). Und entsprechende Anzeigen finden sich ebenfalls weiterhin. So viel zu den Bemühungen unserer Strafverfolgungsbehörden.

Ein Beispiel

https://searchforyou1.com/

Diese vermeintliche Firma hat mich kontaktiert. Auf den ersten Blick wirkt das alles seriös. Selbst die Polizei bestätigte, dass es sich um ein ungewöhnlich geschicktes und sorgfältiges Format handelte, auch in Bezug auf den verhältnismäßig angemessenen Lohn und das sprachliche Auftreten des vermeintlichen „Arbeitgebers“ in der Stellenanzeige und Kommunikation.

Anzeichen

Woran kannst du gefälschte von richtigen Anzeigen für Arbeiten im Homeoffice erkennen? Es gibt eine ganze Reihe von Hinweisen:

  • Rechtschreibfehler in der Anzeige, den Emails oder dem „Arbeitsvertrag“, eine insgesamt eher saloppe und ungeschickte Sprache.
  • Vage Angaben über die Firma, die angebotenen Dienstleistungen und die Arbeiten, die erledigt werden sollen.
  • Niemand fordert Zeugnisse oder Referenzen, der Job ist „leicht zu haben“.
  • Du findest weder online noch offline sind Informationen über die Firma.
  • Die Adressangabe führt zu einem Wohnhaus, einem ganz anderen Geschäft oder existiert nicht. Hier ist besondere Vorsicht geboten, denn nicht immer ist z. B. auf Google Maps ersichtlich, dass eine Adresse nicht existiert. Endet z. B. eine Straße bei der Hausnummer „17“ werden einfach alle fortlaufenden ungeraden Nummern (19, 21, 23 …) ebenfalls auf der Hausnummer 17 angezeigt, was eine Existenz vortäuscht. Wenn möglich, hier einen Blick in das Streetview werfen und den Vertrag nur postalisch versenden.
  • Im Vertrag oder – wenn du das Pech hast, schon in die Falle gegangen zu sein – später wirst du gebeten, Gelder weiter zu überweisen, und bekommst dafür eine „Aufwandsentschädigung“. Spätestens in diesem Moment bleibt dir nur, sofort die Polizei (oder einen Anwalt) aufzusuchen und das Geld auf keinen Fall auf ein anderes Konto zu überweisen als das, von dem es stammt!
  • Du darfst dir die Arbeitszeit mehr oder weniger selbst einteilen, Kontrollen existieren kaum, es wird betont wie einfach und unkompliziert der Job ist, du erhältst sehr viel Lob.
  • Du siehst nie einen Firmensitz, allerdings ist deine Kontaktperson für gewöhnlich hervorragend erreichbar. Die Arbeit findet immer in Homeoffice statt.

Rechne nicht mit allzu großen Bemühungen seitens der Strafverfolgungsbehörden, um die Hintermänner ausfindig zu machen. In meinem Fall blieb sogar unklar, ob überhaupt irgendetwas stattgefunden hat. Das heißt allerdings nicht, dass dich niemand verfolgt, wenn du dich auf den Handel einlässt.

 

Meine Wertung:    

Links zum Weiterlesen:

https://www.e-recht24.de/news/strafrecht/10547-geldwaesche-finanzagent-job-strafbar.html

https://www.berlin.de/polizei/aufgaben/praevention/betrug/artikel.400419.php

https://www.niederlausitz-aktuell.de/brandenburg/46330/polizei-warnt-machen-sie-sich-nicht-strafbar-werden-sie-nicht-zum-geldwaescher.html