Erfahrungsbericht: Corona-Krise und Online-Arbeit

Seit Wochen steht das Leben in Deutschland aufgrund der Corona-Krise de facto still, jede Branche ist mehr oder weniger stark betroffen. Doch wie sieht es mit Online-Arbeit aus? Da alle hier vorgestellten Arbeitsmöglichkeiten Homeoffice vorsehen, sollte man meinen, dass die Auswirkungen eher moderat ausfallen. Wie sieht die Realität aus?

Umfragen während der Corona-Krise

In den letzten Wochen werden deutlich weniger Umfragen verschickt, wie viel weniger, kann ich jedoch selbst nur schätzen. Ich würde allerdings sagen, zurzeit ist das Volumen um ein Drittel bis die Hälfte reduziert. Nun sind solche Flauten nichts Ungewöhnliches, sie treten auch rund um Weihnachten und Neujahr sowie im Sommer auf. Ob daraus tatsächlich problematische Einbrüche entstehen, lässt sich erst in der Länge beurteilen. Einige Unternehmen werden auch weiterhin Umfrageergebnisse benötigen, andererseits gehören Umfragen im Fall notgedrungener Sparsamkeit aufgrund der Corona-Krise eindeutig zu den verzichtbaren Posten. Für Online-Arbeiter ist das Problem allerdings ausgerechnet aufgrund der miserablen Bezahlung nicht übermäßig groß: Da ich selbst bei gleichzeitiger Mitgliedschaft in 20 Instituten und mit ca. 25 Stunden Arbeit im Monat (ehrliche Antworten vorausgesetzt) durchschnittlich 50-60 Euro im Monat verdient habe, ist der Ausfall zu verkraften.

Texterstellung während der Corona-Krise

Ich schreibe vor allem in den Bereichen Ernährung, Gesundheit & Medizin sowie Reisen. Aber zumindest in den Börsen habe ich natürlich auch einen Blick auf das Volumen aller Open Order. Hier kann ich sehen, dass die Menge deutlich zurückgegangen ist, wobei die Auftragszahlen von Tag zu Tag sehr stark schwanken. Grob geschätzt gehe ich aber auch hier von einem Drittel bis der Hälfte weniger aus. Direct Order habe ich in den vergangenen zwei Monaten kein einziges mehr erhalten – trotz meines Schwerpunkts. Allerdings habe ich etwa ein halbes Dutzend eigene Textangebote rund um Viren verkaufen können.

Nun sollte man meinen, dass gerade Gesundheitsthemen profitieren. Doch dem ist nicht so. Denn obwohl Texte mit Bezug zur Corona-Krise (auch im etwas weiteren Sinne) gerade sehr gefragt sind, wiegt das lange nicht alle sonst üblichen Themen in diesen großen Bereichen auf. Es ist eben nur EIN Thema. Grundsätzlich ist offensichtlich, dass Unternehmen und auch kleinere Abnehmer wie Online-Zeitschriften und Blogs gerade nicht unbedingt Geld für neue Texte ausgeben (können). Im Bereich der Reisetexte, den ich am Rande bediene, hatte ich im selben Zeitraum letztes Jahr ca. 30 und dieses Jahr keinen einzigen Text. Die kleinsten Einbrüche scheint es bei Katalogtexten, also Produkt- und Kategoriebeschreibungen zu geben, da große Unternehmen trotzdem ihre Off- und Online-Kataloge für das kommende Jahr vorbereiten.

Und sonst so?

Es ist anzunehmen, dass diese Beobachtungen für die meisten Arbeiten im Homeoffice gelten, bei Mikrojobs wie Clickworker kann ich das bestätigen, bei anderen Arbeiten wie der Stockfotografie bislang nur vermuten. Allein auf meinem Blog (aka diesem hier) sind die Besucherzahlen auf 1/6 (!) des vorherigen Werts gesunken. Fakt ist aber, dass Dienstleistungen, je verzichtbarer sie sind, desto eher in schwierigen Zeiten auf Eis gelegt werden. Und die meisten unterbezahlten Online-Arbeiten (ebenso wie viele von den gut bezahlten) zählen leider zu dieser Gruppe. Zumindest für eine Weile.

Fazit

Freiberufler und Microjobber stehen vor schwierigen Zeiten. Jeder, der in dieser Zeit nachweislich Einbußen hat, sollte daher die staatlichen Soforthilfen nutzen, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Ich gehe davon aus, dass die Aufträge auf dem freien Markt in dem Maße zunehmen, in dem sich auch die übrige Wirtschaft erholt. Bis dahin heißt es, wie zurzeit in vielen Aspekten des Lebens: Kreativ bleiben, durchhalten, nicht verzweifeln.

 

Zum Weiterlesen:

https://www.gruenderlexikon.de/news/kurz-notiert/corona-hilfen-fuer-selbststaendige-freiberufler-und-kleinunternehmer-84233709 

https://taz.de/Freiberufler-und-Coronakrise/!5675887/