Erfahrungsbericht Fake-Aufträge: Unechte Umfragen, Testberichte, Recherche

Bei der Vielzahl der Mikrojobs und der Plattformen, die diese anbieten, existieren nicht nur seriöse Arbeiten. Dabei fallen Jobs, die nicht sind, was sie scheinen, oft nur bei sehr genauem Hinsehen auf. Warum der jeweilige Anbieter die tatsächliche Art seiner Arbeit verschleiern möchte, hat unterschiedliche Gründe – strafbar machst du dich beim Bearbeiten für gewöhnlich nicht. Trotzdem ist es gut zu wissen, was hinter dem einen oder anderen Mikrojob steckt – und was nicht. Denn diese Aufträge zählen mehr oder weniger zum Black-Hat-SEO, also Marketingmaßnahmen, die von Anbietern und Plattformen unerwünscht oder sogar unerlaubt sind. Hier findest du ein paar häufige Beispiele für Fake-Aufträge:

Umfragen, die keine sind

Gefunden: u. a. bei empfohlen.de, Workgenius

Unter dem Deckmantel einer Umfrage wirst du aufgefordert, bestimmte Webseiten zu besuchen, dort eine Aktion auszuführen und davon einen oder mehrere Screenshots anzufertigen. Charakteristika sind:

  • Seiten sind nicht eingebettet oder abgebildet, sondern du musst sie im normalen Verlauf besuchen.
  • Die Seiten sind nicht in der Umfrage verlinkt, sondern müssen von dir selbst via Google gesucht werden.
  • Du musst Screenshots vom Besuch und/oder den Suchergebnissen zuvor anfertigen.
  • Du musst im Anschluss nur wenige, kaum aussagekräftige und immer gleiche Fragen beantworten, die eigentlich keinerlei sinnvolle, differenzierte Aussage über die Webseite treffen. Freitextfelder sind nicht vorhanden.

Wofür das gut ist: Vermutlich, um das Google-Ranking zu verbessern, möglicherweise weiterer Nutzen.

Testberichte, die keine sind

Gefunden: u. a. bei empfohlen.de, Workgenius

Kunden sind Kreditkartenunternehmen, ebenso wie Online-Glücksspielangebote oder Pflegemarken. Du wirst aufgefordert mit deinen Daten einen Account anzulegen, ein Probe-Abonnement abzuschließen oder ein Produkt zu kaufen. Der Preis wird mit einem zusätzlichen Bonus erstattet. Dann sollst du Fragen beantworten oder einen Testbericht verfassen. Charakteristika:

  • Du musst deine eigenen Daten angeben oder deinen eigenen Account nutzen.
  • Aufforderung zur Vorkasse.
  • Die Fragen oder Testberichte musst du innerhalb weniger Stunden bearbeiten – also lange, bevor du irgendetwas über die Qualität des Produkts oder Angebots wissen kannst.

Wofür das gut ist: Anbieter bekommen Daten, positive Bewertungen / Testberichte – als verifizierter Kauf angezeigt -, einige „Tester“ bleiben eventuell bei der Glücksspielseite, Kreditkartenfirma … etc.

Recherche, die keine ist

Gefunden: u. a. bei clickworker

Die vermeintliche Recherche / Preisrecherche funktioniert so ähnlich wie die Umfragen, nur ohne Screenshots. Normalerweise musst du hier lediglich 1-2 Links hineinkopieren, meist von Amazon. Dazu musst du dich allerdings einloggen und das Produkt bisweilen sogar in den Warenkorb legen.

Charakteristika:

  • Der Hersteller gewinnt keine nachvollziehbare Erkenntnis.
  • Du musst dich in deinen eigenen Account einloggen.
  • Es müssen Beweislinks abgegeben werden.

Wofür das gut ist: Vermutlich, um das Amazon-Ranking zu verbessern, möglicherweise kauft ein Teil der „Recherchierenden“ die Ware absichtlich oder zufällig, nachdem sie sie schon in den Warenkorb gelegt und einen Gutscheincode eingegeben hat.

Vergütung für Fake-Aufträge

Die Bezahlung für Fake-Aufträge ist je nach Auftrag und Plattform sehr unterschiedlich. Sogenannte „Recherchen“ ohne Screenshots werden oft nur mit Beträgen zwischen 5 und 15 Cent vergütet. Hier solltest du dich nicht von der schnellen Bearbeitungszeit täuschen lassen – auch wenn du nur 2-4 Minuten für den Auftrag benötigst, erreichst du damit lediglich einen Stundenlohn von 0,75-4,50 €. Und das auch nur bei pausenloser Arbeit. Die vorgeblichen Umfragen hingegen werden nicht selten mit 2-8 € vergütet, benötigen jedoch auch deutlich mehr Zeit. Bei Testberichten musst du die Kosten für Produkt / Abo von der sonst scheinbar hohen Vergütung (> 10 €) abziehen, um zu wissen, was du tatsächlich verdienst.

Fazit Fake-Aufträge

Fake-Aufträge wie die oben genannten dienen zumeist dazu, Angebote für Kunden, Bewerber oder andere Interessenten attraktiver wirken zu lassen, als sie eigentlich sind. Dazu wird künstlich Einfluss auf Rankings oder Bewertungen genommen. Außerdem werden Daten und Abonnements gewonnen. Was du davon hältst, ob du die Aufträge trotzdem bearbeiten möchtest oder nicht – das bleibt dir am Ende selbst überlassen. Zumindest weißt du aber nun, was dahintersteckt! Vor allen Angeboten, die einen Produktkauf oder gar einen Vertragsabschluss beinhalten oder sogar eine Vorleistung erfordern, kann ich nur sehr dringend warnen!

 

Meine Wertung:     

 

Links zum Weiterlesen:

https://www.provenexpert.com/de-de/wissen/fake-bewertungen-fachanwalt-gulden-interview/