Für wen ist Onlinearbeit sinnvoll?

Es mag pessimistisch klingen, aber meine ehrliche Antwort ist: Für die Wenigsten. Im Grunde lohnt sich Onlinearbeit für nur drei Gruppen von Menschen:

Profis

Einige der vorgestellten Möglichkeiten der Onlinearbeit bieten die Gelegenheit, Geld im sinnvollen Rahmen zu verdienen. Mit sinnvoller Rahmen ist hier gemeint: Mindestlohn aufwärts. Allerdings nur für Personen, die absolute Profis auf ihrem Gebiet sind. Das gilt beispielsweise für das Verkaufen von Fotografien – aber natürlich nicht für das Ausfüllen von Umfragen. Allerdings sind Fachkenntnisse allein noch lange kein Garant für (nennenswerten) Gewinn. Dazu gehört auch sehr viel Zeit, Geduld, harte Arbeit, Anpassungsvermögen an sich rasch ändernde Faktoren und eine ordentliche Portion Glück. Denn du darfst nie vergessen, dass die Konkurrenz riesig ist. Ein mittelklassiger Fotograf muss sich offline vielleicht nur gegen den Fotografen im Nachbarort behaupten. Online muss er seinen Platz unter tausenden finden. Andererseits ist eben auch die Nachfrage nahezu unbegrenzt und Nischen, die offline nie lohnenswert wären, können online ein lukratives Geschäft ermöglichen.

Onlinearbeit aus Leidenschaft

Wenn dir Geld egal oder zumindest nicht notwendig ist, eignen sich natürlich ganz andere Bereiche. Eine Leidenschaft für Umfragen oder Paidmails wird wohl eher selten auftreten. Anders sieht es bei einem Blog über das persönliche Hobby, belletristischem Schreiben oder Designen aus. Wenn du vor allem deinem Interesse nachgehen und dabei vielleicht noch Gleichgesinnte finden oder informieren möchtest, ist der Gewinn oft nebensächlich. Springen zusätzlich ein paar Euro heraus, ist das natürlich ein willkommener Bonus.

Aber auch hier gilt, dass eine solche Tätigkeit oft mehr Arbeit bedeutet, als manch einer vorher vermutet. Nicht zuletzt gibt es immer wieder findige Privatpersonen und Unternehmen, die Naivität und Leidenschaft anderer Menschen ausnutzen. Hierzu zählen beispielsweise einige Verlage, die „netterweise“ Kurzgeschichten veröffentlichen – ohne Tantiemen zu bezahlen, versteht sich. Oder aber Gesuche nach Geschichten oder Büchern, die mit lediglich einem Cent pro Wort vergütet – und von den Käufern dann selbst deutlich teurer als E-Book veröffentlicht werden. Vorsicht, Selbstbewusstsein und Recherche helfen, dergleichen zu verhindern.

Keine Wahl

So traurig das in unserem reichen Land ist – nicht jeder hat eine bessere Möglichkeit Geld zu verdienen. Nicht jeder hat die Chance sich nicht ausbeuten zu lassen. Wenn es also gar nicht anders geht, bieten einige der vorgestellten Optionen zur Onlinearbeit die Möglichkeit, zumindest ein paar Euro zu verdienen – ohne dabei Geld zu investieren oder zu verlieren. Es sollte jedoch klar sein, dass die meisten dieser Optionen Verdienste deutlich unter dem Mindestlohn bieten – und mit „deutlich“ ist nicht selten nur ein Viertel oder weniger gemeint. So kann es bei Umfragen beispielsweise passieren, dass nach einer Stunde nur ein oder zwei Euro verdient wurden. Tatsächlich ist das sogar eher die Regel als die Ausnahme. Texte werfen im schlechtesten Fall ebenfalls kaum mehr als zwei Euro ab. Was ich aus ethischer Sicht davon halte, werde ich an dieser (wohl aber an anderer) Stelle nicht diskutieren.

Zu den Personengruppen, die auf derartige Mikrojobs angewiesen sein können, gehören beispielsweise:

  • Alleinerziehende
  • Senioren
  • Arbeitslose
  • physisch oder psychisch Erkrankte (insbesondere chronisch, an Haus / Wohnung oder Bett gebunden)

Kurz: Menschen, die möglicherweise Zeit übrig haben, über sehr wenig Geld verfügen und in der aktuellen Gesellschaft kurz- oder langfristig keine andere bezahlte Arbeit finden. Wer sich aus diesem Grund für Onlinearbeit entscheidet, sollte sich jedoch darüber bewusst sein, dass es in nahezu allen Fällen lukrativer ist, im Supermarkt Regale einzuräumen, zu kellnern oder Zeitungen auszutragen.

 

Meine Wertung:     

 

Zum Weiterlesen:

https://www.fr.de/wirtschaft/arbeiten-rechtsfreien-raum-11239673.html