Erfahrungsbericht: Pagecontent (Teil II)

… Und hier folgt Teil zwei meines Erfahrungsberichts zur Textbörse Pagecontent. (Teil eins hier: *klick*)

Ärgernisse: Support

Plötzlich wird einer meiner Texte abgelehnt, da er nicht unique sei. Das irritiert mich zunächst und ich denke schon an Klau, dann finde ich jedoch heraus, dass die angegebene Seite lediglich eine andere Börse ist, mit der ich ebenfalls zusammenarbeite. Optimistisch (noch …) mache ich mich daran, den Sachverhalt zu klären, doch vom namenlosen Prüfer erhalte ich keine Antwort. Also wende ich mich an den offiziellen Support und erhalte tatsächlich rasch eine Mail – leider mit wenig zufriedenstellendem Inhalt. Das sei eben so, ich müsse für Pagecontent exklusiv anbieten. In der FAQ bleibt dieses kleine Schmankerl übrigens unerwähnt.

Natürlich ist das Konzept vollkommen blödsinnig, denn der Text und seine Nutzungsrechte bleiben mein Eigentum – so lange ich ihn nicht verkaufe – und damit auch unique, egal wo ich ihn noch anbiete. Trotzdem bemühe ich mich, möglichst sachlich zu erläutern, warum das rein wirtschaftlich nicht möglich ist. Denn wenn ich alle Texte anbiete, aber nur die Hälfte verkaufe, bleiben von den 9 € pro Stunde nur noch 4,50 €. Sogar wenn ich den Höchstpreis ausnutzen könnte, wären das lediglich 12 € pro Stunde – vorausgesetzt, ich würde genauso viel verkaufen wie jetzt. Leider erntete ich keine Einsicht. Unterschiedliche Möglichkeiten, das Problem anzugehen, folgen unter „Tipps und Tricks“.

Ärgernisse: Textprüfung

Ebenfalls unerquicklich war der Kontakt mit dem Prüfer / der Prüferin selbst. Dieser wird, laut Auskunft des Supports, im Rahmen des Qualitätsmanagements für seine Arbeit bezahlt – davon ist jedoch nichts zu merken. Nachdem ich das Dilemma rund um meinen Text leider nicht klären konnte, änderte ich ihn bei dem anderen Portal und reichte ihn dann neu ein. Er wurde ein weiteres Mal abgelehnt, selbe Begründung. Ich schrieb zurück, erhielt über einen Monat weder Antwort, noch konnte ich den Text neu einreichen (der zugehörige Button fehlte einfach). Als ich mich nach dieser Zeit mit etwas deutlicheren Worten erkundigte, folgte postwendend eine Beleidigung und dann die technisch wenig versierte Unterstellung, ich würde lügen. Zum Glück speichern beide Portale das jeweilige Änderungsdatum, sodass ich anbot, die Sachlage zu beweisen – daraufhin erhielt ich keine Antwort mehr. Insgesamt scheint die Anonymität des Prüfers keinen besonders guten Umgang zu erzeugen.

Aber auch fachlich bin ich enttäuscht: Ich mag gut schreiben, perfekt jedoch nicht. Einen Hinweis auf Fehler erhielt ich jedoch nie. Im Gegenteil, einmal ging mir ein Tippfehler im Titel (!) durch – der Text wurde problemlos durchgewinkt. Ein weiteres Mal stellte ich einen Text dank „Verscrollen“ versehentlich in einer offensichtlich völlig absurden Kategorie ein. Keinerlei Beanstandung. Knapp zusammengefasst: Es existiert kein spürbares Qualitätsmanagement – und das, obwohl die FAQ für Auftraggeber genau das verspricht!

Ärgernisse: Preisgestaltung

Im Rahmen meiner Recherche bitte ich stets einen Informatiker aus meinem Freundeskreis, kurz einen Auftraggeber-Account anzulegen, sodass ich auch diese Perspektive sehen kann. Das ist speziell bei der Preisgestaltung sehr wichtig, denn sonst ist es als Autor unmöglich, einzuschätzen, ob die eigenen Preise realistisch sind. Hier fielen mir gleich zwei Dinge negativ auf:

  • Mit meinen 3 Cent pro Wort lag ich offensichtlich ziemlich mittig, viel Luft nach oben ist hier eindeutig nicht. Das bedeutet leider auch, dass ich kaum eine Möglichkeit habe, hier zu akzeptablen Preisen Texte anzubieten. Ein wenig hochsetzen kann ich ihn noch, aber die anvisierten 8 Cent / Wort scheinen nicht machbar zu sein, bestenfalls die Hälfte.
  • Schon zuvor ist mir aufgefallen, dass die Provision für Texte weder für Auftraggeber noch für Autoren klar ersichtlich ist. Für Auftraggeber wird lediglich der Preis inklusive Provision angezeigt – sie wissen also nicht, wie viel der Autor verdient. Autoren bekommen lediglich die Information, dass eine Provision aufgeschlagen wird. Durch meinen eigenen Textpreis und mit Zugriff auf einen Auftraggeberaccount kann ich diese jedoch ausrechnen: Satte 50 % Provision schlägt Pagecontent auf, dazu noch einmalig 50 Cent pro Auftrag.

Tricks und Tipps

Aufgrund der obengenannten Lage kannst du entweder auf eine Nutzung von Pagecontent verzichten oder ein wenig tricksen, um trotzdem halbwegs wirtschaftlich arbeiten zu können. Folgende Möglichkeiten existieren:

  • Du stellst den Text zunächst bei Pagecontent ein, wartest auf die Freigabe und stellst ihn dann anderweitig online, denn eine erneute Prüfung erfolgt nicht.
  • Einige Portale sind nicht durch die Google-Suchfunktion zugänglich, sodass die Texte bei der Prüfung nicht oder nur teilweise gefunden werden. Bei Contentworld werden nicht eingeloggten Besuchern beispielsweise nur der Titel und die ersten drei Sätze angezeigt. Es reicht, diesen Teil zu ändern, um nicht aufgefunden zu werden.
  • Du nutzt ausschließlich Texte, die du wirklich gar nicht anders verwerten kannst: Übrig gebliebene aus nicht angenommenen Aufträgen, Fingerübungen, Bewerbungen bei Zeitschriften oder Dinge, die du einfach aus Interesse geschrieben hast. Solche Texte, in die du nur noch minimal Zeit investieren musst, kannst du auch ökonomisch sinnvoll auf Pagecontent einpflegen. Ob sie sich auch verkaufen, ist allerdings eine andere Frage.

Pagecontent: Fazit 

Als Auftragsbörse ist Pagecontent durch seine geringe Größe und die sehr niedrig angesetzte Bezahlung leider wenig geeignet. Die Möglichkeit, selbst Texte anzubieten, ist eigentlich eine feine Sache. Leider sind Funktionalität und Preisgestaltung noch deutlich ausbaufähig. Auch die Attitüde der vermeintlichen Exklusivität ist an dieser Stelle schlicht unangebracht und macht die Nutzung schwer bis unmöglich. Das ist schade, denn die grundlegende Idee ist durchaus interessant. Sollte sich an diesen Punkten noch etwas ändern, ist die Plattform definitiv einen zweiten Blick wert. Zurzeit eignet sie sich unglücklicherweise lediglich zur Resteverwertung – bestenfalls.

 

 Meine Wertung:    Bewertung Schlecht

 

Links zum Weiterlesen:

https://www.northdata.de/Cliquers+GmbH,+K%C3%B6ln/HRB+87173