Erfahrungsbericht: Textbroker (Teil I)

 

Eigene Erfahrung?

Textbroker ist der wahrscheinlich dickste Fisch im Pool der Textbörsen. Der Anbieter wirbt mit hoher Qualität, großer Transparenz, leichter Bedienbarkeit und fairen Bedingungen – für Auftraggeber und Texter. Wie viel ist dran an den Versprechen? Kann sich Textbroker positiv von der Konkurrenz abheben, vor allem beim leidigen Thema Vergütung?

Gesamtverdienst: >3300 € (6 Jahre und 5 Monate Mitgliedschaft)

Verdienst pro Jahr: sehr variabel

Verdienst pro Stunde: sehr variabel

Textzahl: >500 

Anmeldung und Qualifizierungen

Die Anmeldung bei Textbroker ist relativ schnell und einfach – ein Probetext nach Vorgaben und das Ausfüllen des Autorenprofils inklusive. Zumeist landest du auch hier zunächst in Stufe drei und musst dich hocharbeiten, einige wenige können sofort auf Stufe vier einsteigen. Bei mir hat diese Hochstufung ganze zwei Jahre und acht Monate gedauert. Zwar habe ich in der Anfangszeit auch noch relativ wenig geschrieben, doch zu dem Zeitpunkt waren bereits über 100 Texte angenommen worden, bei einer Stornoquote von 0.

Kunden können dich nach unterschiedlichen Kriterien bewerten und dies auch kommentieren, das hat laut Textbroker jedoch keine Auswirkung auf die börsenseitige Bewertung. Diese wiederum findet sehr unregelmäßig und eher schubweise statt, was die Aussicht auf eine Hochstufung relativ vage macht. Von deiner Stufe hängt ab, welche Texte du annehmen darfst und dementsprechend auch deine Vergütung. Es gibt Qualifizierungsmöglichkeiten, jedoch ohne Garantie und meiner persönlichen Meinung nach auch nicht übermäßig guter Qualität.

Auftragsarten bei Textbroker

Drei Sorten von Aufträgen sind möglich: Open Order, Team Order und Direct Order. Open Order finden sich in unterschiedlichen Kategorien, zudem können sie nach Datum, Abgabefrist, Wortzahl und Kunden-ID sortiert werden, um Übersicht zu schaffen. Team Order benötigen eine Anmeldung (wahlweise durch eigene Bewerbung oder auf Einladung) in das jeweilige Team. Direct Order werden dir angeboten, wenn ein Kunde auf dich aufmerksam geworden ist. Du kannst mehrere angenommene Direct Order in deiner Arbeitsliste haben, jedoch immer nur ein Open Order gleichzeitig.

Texterstellung bei Textbroker

Bei Textbroker wird das ganze Portfolio möglicher Texte angeboten, von kompletten Katalogfüllungen bis hin zu absurden Dingen wie Einschlafgeschichten. Leider auch inklusive unseriöser und unethischer Texte, vor allem im Gesundheitsbereich. Grundsätzlich können diese, ebenso wie ungenügende Briefings, zwar über einen einfachen Button gemeldet werden, allerdings ist die Reaktion bestenfalls träge, oft findet sie zumindest für den Meldenden sichtbar gar nicht erst statt. Schade, denn hier konsequent zu sein und die Grenzen der Fragwürdigkeit lieber etwas enger auszulegen, täte dem Ruf der Branche durchaus gut. Aber dazu an anderer Stelle mehr. Hast du den Text eingereicht, muss er innerhalb weniger Tage angenommen oder in Korrektur gegeben werden. Letztere musst du jedoch nur ausführen, wenn sie anhand des Briefings auch begründbar ist oder dein Text grundsätzliche handwerkliche Mindestanforderungen vermissen lässt. Diese Bedingungen legt Textbroker jedoch umgekehrt wieder sehr großzügig aus.

Vergütung bei Textbroker

Die Vergütung richtet sich nach der Sterneeinstufung:

5 Sterne           4,00 Cent/Wort         

4 Sterne           1,30 Cent/Wort

3 Sterne           0,95 Cent/Wort

2 Sterne           0,70 Cent/Wort

Team Order liegen etwas darüber bei mindestens 1,43 Cent, meiner Erfahrung nach allerdings bei maximal 2,2 Cent. Viel verdienen kannst du damit also nicht, zumal die Texte oft sehr schnell weg und die Teams zumeist recht kurzlebig sind.

Durch die niedrigen Vergütungen, die sogar noch unterhalb von Content.de liegen, lohnt sich Textbroker leider nicht einmal in Akkordarbeit. Ich schreibe kontinuierlich in Stufe vier, wenn auch eher recherchestarke Texte und daher mit „nur“ 300 Wörtern/Stunde. Rechne ich diese und die Korrektur ein, verdiene ich im Durchschnitt 3,90 € pro Stunde. Das ist zwar immerhin der Mindestlohn – aber leider in Portugal. Retten soll die Bilanz laut Textbroker der Aufbau eines Kundenstamms und der gleichzeitig selbst frei festzulegende Preis für Direct Order. Leider ist dieser Aufbau oft nicht so einfach, denn viele Kunden haben gar kein Interesse daran, Direct Order zu verteilen, selbst nach mehreren zur vollsten Zufriedenheit erledigten Open Order:

Eine Zeit lang habe ich jedem Kunden, der ein Open Order mit „super“ bewertet hat, eine Nachricht geschickt, mit einem kurzen Dank und der Bitte, mich bei der Vergabe von Direct Order zu berücksichtigen. Auf über 50 Nachrichten dieser Art habe ich weder je eine Antwort geschweige denn einen Auftrag erhalten. Zog ich meinen Preis auf mehr als 3 Cent pro Wort hoch (das entspricht etwa 9 € pro Stunde, also immer noch weniger als der aktuelle Mindestlohn), bekam ich gar keine Direct Order mehr. Obwohl ich auf Fachtexte spezialisiert bin. Und trotz – nach über 500 Texten – einer Stornoquote von 0 und einer Änderungsquote von weniger als 1 %.

Das gibt selbstverständlich nur meine subjektive Erfahrung wieder, aber grundsätzlich halte ich die Aufstiegschancen für sehr gering. Die Möglichkeit, auf ein halbwegs menschenwürdiges Honorar zu kommen, haben am ehesten noch Autoren mit extrem schneller Schreibe und gleichzeitig hohem Themenspektrum in sehr gefragten Kategorien. Denn zusätzlich zum Vergütungsproblem stehen auch längst nicht immer ausreichend Texte zur Verfügung, um überhaupt kontinuierlich zu arbeiten. Unter Umständen gehst du sogar tagelang leer aus.

Den zweiten Teil zum Thema Textbroker findest du nächste Woche hier! (*klick*)

Meine Wertung:     Bewertung Schlecht

 

Zum Weiterlesen:

https://www.plejadium.de/real-life/ich-mein-ja-nur/textbroker-erfahrungsbericht/