Texterstellung / Textbörsen: Unseriöse Texte Teil I (Ärgernisse)

Von Zeit zu Zeit werden Textern – egal ob in Textbörsen oder auf Portalen für „Freie“ – Texte angeboten, die sich an der Grenze der Legalität und abseits jeder Moral bewegen. Einen Überblick über diese speziellen „Angebote“ – unseriöse Texte – gebe ich dir hier (ein zweiter Teil dazu folgt):

Fälschungen

„Schreiben Sie zehn authentische Kundenrezensionen für unseren Service XY.“
So oder ähnlich lauten Text-Angebote, die zur bewussten Fälschung vermeintlicher Rezensionen aufrufen. Nicht selten werden gleich noch Alter, Geschlecht, Bildung/Beruf oder sogar Fotos mitgeliefert, damit das Ergebnis besonders glaubwürdig ist. Illegal ist das von Texterseite aus nicht, trotzdem eine Praxis, die niemand unterstützen sollte und ein Paradebeispiel für unseriöse Texte. Etwas hat mich das Texten jedenfalls gelehrt: Vorsicht mit Rezensionen.

Unethische Werbung

Ein unangenehmes Phänomen sind unseriöse Texte, die mit allen Mitteln für Produkte werben, gerne aus der Schönheits- oder Glücksspielindustrie (ohnehin häufige Kunden). Konkret lag mir beispielsweise ein Textauftrag vor, bei dem eine kleine Geschichte erzählt werden sollte:
Eine Frau entdeckt zum ersten Mal in ihrem Leben Dellen am Po. In der Folge gerät sie in Panik und Verzweiflung, stellt sich (vermeintlich) grauenhafte Krankheiten vor, die damit zusammenhängen. Sie soll sich bewusst werden, dass sie nun zutiefst hässlich ist und nie wieder ins Schwimmbad gehen können wird. Der Auftraggeber wies explizit darauf hin, dass der Fokus auf Scham, Angst und Krankheit liegen und sich keinesfalls körperpositive Gedanken oder gar gute Vorsätze (Ernährung, Sport) einstellen sollten. Ein positives Ende sollte ebenfalls kategorisch ausgeschlossen werden.
Klingt wie ein schlechter Witz? Leider nein.

Die vielleicht unangenehmste Sorte betrifft „Alternativmedizin“. Schamlos fordern Auftraggeber Texte, die die angeblich bahnbrechende Wirkung von Homöopathie, Geistheilung, Engelsheilung, Schüßlersalzen, fragwürdigen Nahrungsergänzungsmitteln und allem, was der Markt sonst noch hergibt, anpreisen. Diese sollen natürlich möglichst so verfasst werden, dass der medizinische Laie den angebotenen Unsinn keinesfalls von tatsächlichen Medikamenten oder pflanzlichen Stoffen mit vorhandener Wirksamkeit unterscheiden kann. Je verzweifelter die Betroffenen, desto besser.

Persönlich hatte ich unter anderem einen Textauftrag vor Augen, der die Genesung von Krebs durch „Quantenheilung“ bewerben sollte – inklusive der Aufforderung, keine Chemotherapie in Anspruch zu nehmen.
Von der tiefen Amoral abgesehen, beginnt hier auch der strafbare Rahmen. Denn falsche Wirkversprechen und Irreführungen sind durch verschiedene Gesetze (u. a. Lebensmittelinformationsverordnung, Heilmittelwerbegesetz) verboten. Ob sich nur Auftraggeber oder auch Texter bei Veröffentlichung strafbar machen, ist meinem Stand nach ungeklärt. Viele Börsen sichern sich aber großzügig ab, sodass die AGB vorsehen, dass sich ausschließlich der Texter strafbar macht. Also: Finger weg, egal wie nötig du das Geld hast!

Fakt ist leider, dass Ethik für einige Auftraggeber ein Fremdwort ist – hier geht es ausschließlich ums Geld. Bitter dabei ist insbesondere, dass die Wirkung derartiger unseriöser Texte desto besser ist, je besser der Texter gearbeitet hat.

Unseriöse Texte: Kaum Kontrolle

Fakt ist jedoch auch, dass sich die meisten Textbörsen oder Betreiberseiten wenig Mühe geben, Derartiges zu verhindern oder zu kontrollieren. Während Textbroker beispielsweise die Erstellung von „anzüglichen“ Texten ausschließt, finden sich die oben genannten Punkte nicht in den AGB wieder. Allerdings können Auftragsbeschreibungen mit einem Button als problematisch gemeldet werden. Welche Konsequenzen das im Einzelfall hat, ist jedoch unklar – bislang wurde ich auf meine Meldungen hin noch nie informiert. Content geht nicht darauf ein, welche Texte konkret ausgeschlossen sind, und bietet auch keine entsprechende Funktion zur Meldung. Allerdings mussten Texter bei der letzten Überarbeitung der AGB zustimmen, besondere Verantwortung bei z. B. medizinischen Texten an den Tag zu legen. Dass diese Verantwortung auch bei den Börsen und in erster Linie bei den Auftraggebern liegt, blieb leider unerwähnt.

Zum zweiten Teil geht es hier: *klick*

Meine Wertung:    

Links zum Weiterlesen:

https://www.hna.de/netzwelt/fake-gefaelschte-kunden-rezensionen-internet-zr-3705665.html

https://onlinemarketing.de/news/gefaelschte-kundenbewertungen-betrug-im-grossen-stil