Texterstellung / Textbörsen: Unseriöse Texte Teil II (Ärgernisse)

Nachdem wir uns schon einmal (hier: *klick*) mit unseriösen Texten beschäftigt haben, hier ein weiterer Auswuchs der eher fragwürdigen Geschäftspraktiken.

Auf vielen Portalen finden Texter Suchanzeigen für sogenanntes „Ghostwriting“. Allerdings handelt es sich selten um die seriöse Art: Normalerweise bedeutet „Ghostwriting“, dass ein professioneller Autor eine Geschichte für jemanden schreibt, der sich dazu nicht oder weniger gut imstande sieht. Häufig handelt es sich dabei um biografische Ereignisse. In diesem Fall existiert ein Autorenvertrag, der ein Honorar und die genaue Art der Arbeit festlegt, der Verlag selbst ist über den korrekten Urheber informiert. So weit, so gut. Aber das, was dir auf diversen Jobangebotsseiten wie Freelance oder Texterjobbörse angeboten wird, ist leider ein ganz anderes Thema.

Professionelle Fälschung

Das Angebot lautet normalerweise in etwa so: „Autor für akademisches Ghostwriting gesucht“. Gefordert sind ein Studienabschluss (manchmal reicht auch ein aktuelles Studium), Zuverlässigkeit und Diskretion. Die Bezahlung wird als „hoch“ beworben und beträgt oft ca. 20 € pro Seite.* Dafür sollen je nach Auftrag Hausarbeiten, Bachelorarbeiten oder Masterarbeiten, selten sogar Doktorarbeiten erstellt werden. Diese werden dem Auftraggeber für erhebliche Summen verkauft.

* Spoiler: 20 € werden bei dem Aufwand, den echtes und unauffälliges akademisches Schreiben inklusive Recherche, Fußnoten, Quellenangabe und dem Treffen der richtigen Tonalität erfordert, schnell sehr wenig. Denn Abschlussarbeiten sind überraschenderweise nicht etwa deshalb zumeist die wichtigste Studienleistung, weil sie einfach sind.

Ghostwriting: Legal oder nicht?

Viele dieser Anbieter betonen explizit, dass es sich nicht um ein Plagiat handeln würde, weil alle verwendeten Quellen korrekt angegeben sind. Das ist jedoch nicht richtig, denn generell liegt ein Plagiat dann vor, wenn keine „eigene gedankliche Geistesleistung“ und auch keine Quelle vorliegt – was bei dieser Art des „Ghostwritings“ selbstverständlich der Fall ist. Allerdings fallen gefälschte Arbeiten eben nicht bei Plagiattests auf, da es sich nicht um fremde Veröffentlichungen handelt.

Häufig wird diese Form des Betrugs von Universitäten allerdings deutlich härter bestraft als eine fehlende Quelle – schon wegen der Professionalisierung der Fälschung und der in dem Fall eindeutigen Absicht. Dass zudem gegen die eidesstattliche Erklärung verstoßen wird, ist strafrechtlich relevant (§ 156 StGB). Daher kann neben der Exmatrikulation auch ein Bußgeld erfolgen. Konkret heißt das: Die Erstellung zu beauftragen und zu bezahlen, ist nicht strafbar, die Arbeit als eigene abzugeben – auch in Teilen – und dabei die Urheberschaft zu verschweigen, schon.

Und der Texter? Alle Agenturen bestehen darauf, nur Vorlagen anzufertigen, die dem Auftraggeber lediglich als „Inspiration“ und geistige Hilfe dienen sollen. Allerdings lügt jeder Beteiligte, der behauptet, dass dem wirklich so sei. Selbstverständlich werden diese Arbeiten genau so oder mit nur minimalen Änderungen abgegeben – doch das lässt sich kaum beweisen. Solange im Vertrag oder in der Konversation zwischen Autor und Auftraggeber nichts anderes herauszulesen ist (und beide werden sich hüten!), ist diese Art der Arbeit also für den Texter nicht strafbar.

Und die Ethik?

Ich würde trotzdem die Finger davon lassen. Wer hat sich nicht geärgert, als herauskam, dass Herr Guttenberg die eine oder ander Quelle „vergessen“ hat? Und warum? Weil sich mit fremden Federn zu schmücken eben scheiße ist! Alle Auftraggeber haben Ausreden oder Gründe, von purer Bequemlichkeit über Zeitmangel, Unfähigkeit bis hin zur Arroganz („Ich habe keine Lust, so viel Zeit in etwas zu investieren, das mich nicht interessiert.“). Aber mal ehrlich, wer will, dass sein Arzt oder Anwalt (oder Politiker …) zu faul ist, seine eigenen Prüfungsleistungen zu erbringen? Welcher Arbeitgeber möchte, dass das gute Zeugnis des Angestellten nur auf seiner Fähigkeit sich durchzumogeln beruht? Genau – keiner.

 

Meine Wertung:     

 

Zum Weiterlesen:

https://www.e-recht24.de/artikel/haftunginhalte/8221-ghostwriting-ist-das-strafbar-was-ist-erlaubt.html

https://www.zeit.de/campus/2016-04/ghostwriter-pruefung-pruefungsordnung-rechtfertigung/seite-3