Erfahrungsbericht Umfragen bei Umfrageinstituten: Vergütung

Eigene Erfahrung?

Umfragen sind der wahrscheinlich leichteste Weg, zusätzlich Geld zu verdienen, denn Vorkenntnisse sind hier nicht notwendig. Mit etwas Professionalität – also schnell lesen und antworten, Testfragen korrekt beantworten, ein wenig Buchhaltung – ließe sich auf diesem Weg eine schöne Stange Geld hinzuverdienen, heißt es in vielen Testberichten. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Schätzungen zur Vergütung bei teilweise mehreren hundert Euro pro Monat liegen. 1-10 Euro werden als Vergütung pro Umfrage angegeben. Aber entspricht das der Realität?

Durchschnittsverdienst und Gesamtverdienst

Ich habe ca. acht Jahre Umfragen gemacht und über die Zeit Buch geführt, daher habe ich einen guten Überblick. Pro Jahr konnte ich einen durchschnittlichen Verdienst zwischen 500 und 700 Euro verzeichnen – allerdings hochgerechnet auf mindestens 20 Institute. Dabei sind solche, bei denen ich in einem Jahr nicht einmal die Auszahlungsgrenze erreichte, andere machten allein ca. 100 € dieser Summe aus. Im Schnitt kam ich auf etwas mehr als 50 € pro Monat, wenn ich entsprechend viele Institute gleichzeitig nutzte (welche und wie viel ihr jeweils verdienen könnt, findet ihr in den einzelnen Erfahrungsberichten). Für diese Summe wendete ich allerdings durchschnittlich mindestens 25 Stunden pro Monat auf, also beinahe eine Stunde am Tag.

Der durchschnittliche Verdienst liegt bei den besten Instituten bei 6 und bei den schlechtesten bei ca. 1,50-2 Euro pro Stunde. Beträge von weniger als 50 Cent sind dabei vollkommen normal. Den Vogel hat allerdings Toluna abgeschossen: Die Kurzumfragen mit den geringsten Vergütungen lagen während meiner Mitgliedschaft dort bei 15 Punkten – umgerechnet weniger als ein halber Cent! (Zu diesem Zeitpunkt betrug die Umrechnung bei dem Institut 4000 Punkte = 1 €) Die kurze Dauer von lediglich 1-2 Minuten gaukelt vor, dass es sich um leicht verdientes Geld handelt. Doch tatsächlich entstehen dabei Stundensätze von weniger als 25 Cent. Umfragen für 3 Euro oder mehr sind extrem selten und beinhalten meistens komplizierte oder datenschutzrechtlich fragwürdige Zusatzaufgaben: Download von Tracking-Programmen und -Apps, Upload von Fotos, lange Chat- und Forensessions, die nur bei täglicher Teilnahme vergütet werden etc.. Selbst wer dazu bereit ist, erhält solche Angebote bestenfalls ein paar Mal pro Jahr.

Zusatzzeit

Hätte ich wirklich 25 Stunden lang nur Umfragen für 6 Euro gemacht, hätte ich nicht 50, sondern 150 € pro Monat verdient. Dass es trotzdem so wenig war, liegt einerseits an den schlechter bezahlten Instituten, aber auch an den vielen Screenouts. Denn die Quote liegt an schlechten Tagen bei ca. 90 %. Im Schnitt erhielt ich bei der Teilnahme bei 20 Umfrageinstituten pro Tag ungefähr 15-30 Umfragen, sonntags 2-10. Allerdings konnte ich davon anfänglich durchschnittlich 20 %, in den letzten Jahren jedoch nur noch ca. 10 % tatsächlich zu Ende führen. Alle anderen wurden durch Screenouts oder technische Fehler beendet  – vor allem letztere sind ärgerlich, denn oft treten sie erst am Ende der Umfrage auf, dementsprechend viel Zeit geht verloren. Weitere Zeit kostet das Anfordern und Nachhalten der Vergütung und eventuelle (oft unbezahlte) Profilerneuerungen.

Umrechnung und andere Tricks bei der Vergütung

Viele Umfrageinstitute versuchen ihre niedrigen Vergütungen wahlweise zu verschleiern oder sogar noch zu drücken. Möglichst krumme Umrechnungen in möglichst hohe Punktzahlen, wie sie bei Toluna oder LifePoints üblich sind, verbergen, wie gering der eigentliche Verdienst ist, und stellen oft ein Warnzeichen dar. Im Gegensatz dazu zeigt mein persönlicher Favorit – Entscheiderclub – die Vergütung einfach in Euro an.

Ein beliebter Trick, Geld zu sparen, sind auch Lose für Gewinnspiele, die statt einer Vergütung ausgelobt werden. Davon kann ich jedoch nur abraten, denn die Gewinnchancen sind nicht transparent (und ich habe in all den Jahren bei all den Instituten noch nie irgendetwas gewonnen). Nicht zuletzt gibt es Umfrageinstitute, die sich von ihren Mitgliedern für die Überweisung bezahlen lassen (z. B. Panel-Opinea) oder aber erst auf PayPal umstellen und dann die Gebühren für die Auszahlung von den Mitgliedern einfordern (z. B. Toluna). Mehr dazu findest du im Beitrag (*klick*).

Fazit

Umfragen sind einfach und können relativ flexibel bearbeitet werden, keine Frage. Doch der durchschnittliche Verdienst ist leider derart gering, dass sich die Teilnahme nur bedingt und auch nur bei bestimmten Instituten lohnt. Wer viel Zeit hat und keine andere Möglichkeit sieht, an Geld zu kommen, sollte sich bei möglichst vielen Instituten anmelden und ca. 1-2 Stunden pro Tag veranschlagen. Zudem solltest du nicht damit rechnen, auf diese Art mehr als 50-60 Euro im Monat zu verdienen.

 

 Meine Wertung:    Bewertung Sehr schlecht

 

Links zum Weiterlesen:

https://praxistipps.chip.de/mit-online-umfragen-geld-verdienen-geht-das_9883