Umfrageinstitute: Datenschutz und Ehrlichkeit

das Datenschutz und Umfragen – verträgt sich das? Angesichts der vielen und teils sehr intimen Details, angefangen beim Gehalt, über Krankheiten bis hin zur Lieblingstamponmarke, lohnt sich diese Frage. Und was ist eigentlich mit Webcam- oder Audioaufnahmen?

Schriftliche Daten

Jede Umfrage erfasst eine große Menge Daten. Dabei kann es sich um eher harmlose Informationen wie die Meinung zu einem Produkt, die Vorliebe für einen bestimmten Supermarkt oder den Handytarifanbieter handeln. Aber es können auch sehr sensible Fragen zum Gesundheitszustand oder den eigenen Finanzen dabei sein. Sind diese Daten bei Umfrageinstituten sicher? Die Antwort ist ja. Weniger aufgrund der großen Seriosität oder der ohnehin von außen weder einseh- noch kontrollierbaren Sicherheitsmechanismen. Eher, weil die Daten ohnehin nur in der Masse interessant sind. Dementsprechend werden sie ohnehin nur in „Paketen“ anonymisiert weitergeleitet. Nicht zuletzt sind die wenigsten von uns wichtig genug, als dass irgendjemand mit der Information, ob wir Morbus Crohn haben oder morgens Orangensaft trinken, etwas anfangen könnte.

Ehrlichkeit und Datenschutz

Kaum, dass du dich bei einem Umfrageinstitut anmeldest, wirst du zu absoluter Ehrlichkeit aufgefordert – oft auch noch einmal bei jeder Umfrage. Dabei herrscht leider keinerlei Verständnis für den Umstand, dass auch wer eine Umfrage macht, noch lange nicht jede Information aus seinem Leben preisgeben möchte. Zumal Daten wie Alter oder Postleitzahl oft in einer Genauigkeit abgefragt werden, die für die tatsächliche Auswertung vollkommen unnötig ist. Demzufolge existiert bei den Fragen häufig keine Möglichkeit, einzelne unbeantwortet zu lassen. Wenn doch, führt der Klick auf „keine Angabe“ gelegentlich zum Rausschmiss. Die einzige Möglichkeit besteht dann in einer glatten Lüge. Aber darfst du das? Und erwischt man dich?

Einmal ja und einmal nein. Die Hoheit über deine Daten hast du, egal, zu was du dich vorher verpflichtet zu haben glaubst. Und eine Kontrolle deiner Angaben ist ohnehin nicht möglich. Eine Ausnahme stellt Yougov dar: Hier werden gelegentlich Geschlecht und Geburtsjahr zur Kontrolle abgefragt. In diesem Fall führt eine Lüge zum Ausschluss nicht nur aus der Umfrage, sondern gleich aus dem Portal. Und das netterweise ohne Vorwarnung und ohne dir dein übriges Guthaben auszuzahlen (obwohl das Institut die bis dahin gewonnenen Daten natürlich trotzdem nutzt!). Also entweder ehrlich bleiben – oder wenigstens konsistent lügen.

Dabei bleibt anzumerken, dass Umfrageinstitute auch gerne ein wenig flunkern. So hatte Mysurvey (jetzt Lifepoints) für seine „Eyes Track“-Umfragen immer eine Frage vorgeschoben, bei der man ankreuzen durfte, ob man mit einer Webcamaufnahme einverstanden sei. Bei der Antwortmöglichkeit „Ja“ wurden Extrapunkte versprochen, bei „Nein“ „Standardpunkte“. Tatsächlich führte ein „Nein“ jedoch immer zum sofortigen Ausschluss. Ebenso sieht es mit der Überschrift „Heute suchen wir bestimmte Berufsgruppen“ aus. Die darunter aufgelisteten Berufsgruppen suggerieren selbstverständlich, dass es sich um die gesuchten handelt. In Wirklichkeit werden jedoch überhaupt keine Berufsgruppen gesucht, sondern lediglich einige ausgeschlossen – eben die aufgelisteten.

Datenschutz bei Bild & Ton

Einige Umfrageinstitute bieten Umfragen an, bei denen eine Sprachaufnahme durch das eigene Mikrofon oder eine Videoaufnahme mittels Webcam stattfinden soll. Gewöhnlich ist die Bezahlung dafür deutlich höher (~2-10-fach) als bei anderen Umfrageinladungen. Für solche Befragungen wird normalerweise eine relativ hochqualitative Aufnahme bei gutem Licht spezifisch vom Gesicht oder den Augen angefertigt. Was damit geschieht, wer sie letztlich erhält oder wie unter welchen Zusammenhängen speichert, erfährst du nicht. Wenn du es doch einmal erfährst, kannst du es nicht kontrollieren. Nun sind insbesondere amerikanische Unternehmen in den vergangenen Jahren nicht gerade durch ihren sorgsamen Umgang mit dem Datenschutz aufgefallen – vorsichtig ausgedrückt.

Natürlich hackt niemand, ob nun Kriminelle oder Regierungen, die Information, ob du lieber zu Rewe oder Edeka gehst. Ganz anders sieht es in einer Welt, in der immer mehr „Innovationen“ auf biometrische Daten setzen, mit einer Aufnahme des Gesichts aus. Sind diese Daten einmal gehackt, ist das für dich unbeherrschbar: Dein Passwort kannst du zurücksetzen oder ändern, dein Gesicht oder deine Iris nicht. Schon deshalb ist es eine ausgesprochene Schnapsidee, sensible Funktionen an solche Daten zu binden – auf keinen Fall aber solltest du sie für 5 Euro in der Stunde an ein unbekanntes Unternehmen verscherbeln.

Fazit

Zu viel Paranoia in puncto Datenschutz ist bei Umfrageinstituten nicht notwendig. Wenn du dich mit bestimmten Angaben unwohl fühlst, solltest du dich allerdings auch nicht scheuen zu schwindeln. Eine Ausnahme gilt jedoch für alles, was als biometrischer Datensatz genutzt werden kann, also Stimm- oder Gesichtsaufnahmen: Auch wenn hier oft relativ hohe Vergütungen versprochen werden, ist es sicherer, darauf zu verzichten.

PS: Dasselbe gilt natürlich auch für Aufnahmen im Rahmen bestimmter Mikrojobs!

Meine Wertung:     

Zum Weiterlesen:

https://www.br.de/nachrichten/netzwelt/codes-und-paesse-wie-sicher-sind-biometrische-daten,RAE0we6

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/biometrische-daten-105.html