Umfrageinstitute: Werbung

Das Verhältnis von Umfrageinstituten zu Werbung ist zumeist schwierig und als Teilnehmer verlierst du rasch einige Illusionen.

Umfrage oder Werbung – wo ist die Grenze?

Einerseits werden diese Institute bezahlt, um Firmen die Beurteilung der Wirksamkeit ihrer Werbung (Werbelügen?) zu ermöglichen. Andererseits sollte eine Befragung immer neutral sein. Aber wie neutral ist eine Befragung, in der die Teilnehmer zwei-, drei- oder viermal denselben Werbespot ansehen müssen? Denn in dem Moment hat die Werbung längst bereits das erfüllt, was sie eigentlich sollte: Sie wurde angesehen. Wo also liegt hier noch der Unterschied zwischen „Werbung beurteilen“ und Werbung selbst?

Das wiegt umso schwerer, da Umfragen zwar natürliches Verhalten verlangen, aber nicht zulassen. Konkret würde jeder, der Werbung ablehnt, ab- oder umschalten, den Ton ausmachen oder ganz traditionell Pipi machen gehen. Das wissen Umfragen dank diverser Testfragen und sonstiger Fallen natürlich zu verhindern. Einerseits aus Sicht des Umfrageinstituts sinnvoll, andererseits aber ein Elend für die Teilnehmer. Eine Möglichkeit, irgendwie anzugeben, dass man generell keine Umfragen mit Werbeelementen sehen möchte, existiert natürlich nicht … Häufig ist die Teilnahme auch mit Werbeblockern nicht möglich – was ohnehin bedenklich genug ist.

Mit Umfragen die Welt verändern?

Viele Institute werben mit markigen Sprüchen dieser Art. Teilnehmer könnten ihre Interessen einbringen, bei neuen Produkten mitbestimmen oder Unternehmen mitteilen, was sie möchten und brauchen. Das ist leider überwiegend völliger Blödsinn. Unternehmen interessiert es in Umfragen einen feuchten Kehricht, was Verbraucher wollen oder benötigen – sie interessiert allein das Verkaufen. Und der Zusammenhang ist viel kleiner, als man zunächst denken mag: Optik und Werbung verkaufen, nicht tatsächliche Produkteigenschaften wie Nachhaltigkeit oder Wirksamkeit. Fast nirgendwo wird das deutlicher als bei Umfragen, denn ca. 90 % drehen sich nur um Werbung, Slogans, Verpackung … Die Fragen dazu sind unverblümt: Sieht es gesund aus? Sieht es so aus, als würden Frauen das kaufen? Sieht es nachhaltig aus? Was es ist, spielt keine Rolle, verändert werden generell nur die äußeren Merkmale. Die sicher absurdeste Frage, die mir persönlich hier unterkam, bezog sich auf eine längere Liste Wirkstoffe für ein Shampoo. Darunter die Aufforderung:

„Bitte klicken Sie an, welche Zutat wirksam klingt.“

Klingt! Studien? Tests? Forschungsergebnisse? Völlig egal – Hauptsache es klingt gut.

Ebenfalls schwer mit dem gesunden Menschenverstand zu vereinbaren sind Umfragen, die nicht nach den eigenen Interessen fragen. Stattdessen werden wahllos Bilder verschiedener Menschen gezeigt, die Frage lautet dann:

„Würden diese Menschen dieses Produkt kaufen?“

Warum das Unsinn ist, muss ich sicher nicht weiter erläutern.

Fazit

Wenn du Umfragen machen willst, aber keine Werbung magst – leg dir ein dickes Fell zu und gewöhne dir Tricks an, um den ganzen Unsinn nicht wirklich sehen zu müssen. Oder lass es.

Wenn du Umfragen machst in der Hoffnung, die Welt oder wenigstens Produkte und Unternehmenskultur zu verändern – vergiss es. Stattdessen wird eigentlich jeder vernünftig denkende Mensch zum Zyniker, Unternehmenspolitik betreffend. Interessanterweise sind meiner Erfahrung nach insbesondere bekannte, kommerziell erfolgreiche Unternehmen erpicht darauf, so wenig wie möglich an ihren Produkten zu ändern und sich nur noch auf die Außenwirkung zu konzentrieren. Obwohl genau diese sich Forschung leisten könnten. Natürlich ist das alles keine neue Erkenntnis, aber das Ausmaß ist deprimierend.

Meine Wertung:    

 

Zum Weiterlesen:

http://beautyjunkies.square7.ch/2015/11/04/mit-umfragen-geld-verdienen-serios/